Unter den Top Ten - Maristen beim Bundesfinale in Berlin
Passauer Neue Presse vom Samstag, den 31. Mai 2008 / eigener Bericht

Jugendspielerinnen des FC Fürstenzell im Dress der Maristen: ( hinten v. l.) Lisa Rohrmeier, Julia Stempfer, Judith Jeszenkovits, Susanne Foltin, Carolin Haslinger, Sophia Schwarz, Sportlehrerin Margit Staudinger; (vorn v. l.) Coach Petra Baumgartner, Katja Bromme, Anna Rohrmeier, Yvonne Salzer
„Berlin ist eine Reise wert“ – dieses Fazit können die Volleyballerinnen des Maristengymnasiums Fürstenzell ziehen, die nach dem Gewinn der bayerischen Meisterschaft ihre Schule und den Freistaat Bayern im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ würdig vertraten. Das Teilnehmerfeld im Bundesfinale bestand aus den Siegermannschaften der einzelnen Bundesländer. Mit einer vorbildlichen kämpferischen Einstellung und sehenswertem Volleyball errangen die Mädchen der Wettkampfklasse III dabei in einem hochklassig besetzten Turnier einen guten achten Platz.

Es ist so weit: Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin!
Das Abenteuer begann am Morgen des 6. Mai, als das Team unter der Leitung von Sportlehrerin Margit Staudinger und Trainerin Petra Baumgartner vom Passauer Bahnhof in Richtung Bundeshauptstadt startete, begleitet von einer ansehnlichen Schar Angehöriger, die für die nötige Unterstützung sorgen wollten. Nach der Ankunft und der Akkreditierung der Mannschaft und der Offiziellen auf dem Berliner Hauptbahnhof ging es weiter in die Quartiere.

Die Fürstenzeller Mannschaft beim Empfang auf dem Berliner Hauptbahnhof
Am ersten Abend blieb – im Gegensatz zu den folgenden – noch etwas Zeit, den Alexanderplatz und den Hackeschen Markt zu erkunden, doch dann war Bettruhe angesagt, denn zwei lange Wettkampftage mit sieben anstrengenden Spielen standen bevor.
Zufrieden sei sie mit ihrem Team, „sehr zufrieden sogar“, meinte Petra Baumgartner, als sie drei Tage später am Potsdamer Platz endlich ein paar freie Minuten zu einem Rückblick nutzen konnte. Dabei hatte das Turnier für ihre Mannschaft alles andere als erfolgreich begonnen. Gleich zu Beginn ging es nämlich gegen die Mädchen vom „Schul- und Leistungssportzentrum Berlin“, die das gesamte Turnier klar dominierten und in dessen Verlauf keinen einzigen Satz abgaben. Schon das Aufwärmtraining der sehr athletischen Spielerinnen aus der renommierten Volleyball-Nachwuchsschmiede war sehr beeindruckend, und im Spiel gab es für die Mädchen aus Niederbayern trotz aller Gegenwehr nicht viel zu melden. Frustrierend war für diese vor allem der Umstand, dass sie in ihrer ersten Begegnung kaum einmal Gelegenheit hatten zu zeigen, dass auch sie gutes Volleyball spielen können.

Da war es nur ein schwacher Trost, dass man im zweiten Satz für einige Zeit eine knappe Führung behaupten konnte und den haushohen Favoriten gehörig ins Schwitzen brachte – und dass man in der Gruppenphase des Turniers sogar das beste Ergebnis gegen die Berlinerinnen eingefahren hatte, erfuhr man sowieso erst am späten Abend. In der anschließenden Spielpause gab es für die Betreuerinnen viel zu tun, aber es gelang ihnen in einem intensiven Gespräch, kleinere Unstimmigkeiten zu klären und die Mannschaft wieder aufzurichten.
Stimmgewaltiger Anhang: Die Fürstenzeller wurden Sieger der (inoffiziellen) Fanwertung.
Ein Übriges tat die mitgereiste sehr lautstarke und fachkundige Anhängerschaft, die für Stimmung in der Halle sorgte. Leidtragende waren die Mädchen vom Gymnasium Nieder-Olm (Rheinland-Pfalz). Mit einer überlegenen Leistung in Abwehr und Angriff kontrollierten die Fürstenzellerinnen Spiel und Gegnerinnen und konnten dabei endlich ihre technischen und spielerischen Fähigkeiten zur Entfaltung bringen. Der Sieg ohne Satzverlust sorgte für eine ausgeglichene Bilanz.
Ein gewonnener erster Satz im Abendspiel gegen das Domgymnasium Merseburg (Sachsen-Anhalt) genügte den Mädchen aus Niederbayern für den zweiten Rang in der Tabelle ihrer Gruppe. Sie erspielten sich zwar insgesamt mehr Punkte als ihre Gegnerinnen, mussten sich aber im Tiebreak geschlagen geben. Weniger das Wissen um das Erreichen des Zwischenzieles als die nachlassende Konzentration führten zu einer vermeidbaren Niederlage, die sich jedoch nicht mehr negativ auf die Platzierung auswirkte.
Schon um sechs Uhr klingelten am nächsten Morgen die Wecker, denn bereits für acht Uhr war die Viertelfinalqualifikation gegen das Schulzentrum Ronzelenstraße (Bremen) angesetzt. Doch die Norddeutschen sahen sich einem hellwachen Team aus Fürstenzell gegenüber, das nie einen Zweifel an seinem Sieg aufkommen ließ. Nach zwei gewonnenen Sätzen war das Viertelfinale erreicht.
Jubel nach einem Punkt gegen die Mannschaft aus Bremen
Die Fans der Maristen staunten nicht schlecht, als dann die Mannschaft des Sportgymnasiums Dresden zum Aufwärmen in der Halle erschien. Deren Spielerinnen, die nach eigenem Bekunden sechs Trainingseinheiten in der Woche absolvieren, waren den Fürstenzellerinnen von der Körpergröße her deutlich voraus, einige maßen mehr als 1,80 Meter! Und obwohl die Mädchen aus Bayern um jeden Ball kämpften und auch in spielerischer und technischer Hinsicht leicht im Vorteil waren, wurden ihre Anstrengungen letztendlich nicht von Erfolg gekrönt.

Kleine Pause an einem anstrengenden Spieltag mit vier Begegnungen
Der Block der Dresdnerinnen stand wie eine Mauer, und ihre körperliche Überlegenheit gab auch beim Angriffsspiel den Ausschlag. So gingen beide Sätze an die letztlich stärkere Mannschaft aus Sachsen.
In den abschließenden Platzierungsspielen gegen die spielerisch zumindest ebenbürtigen und physisch kompakteren Teams des Pierre-de-Coubertin-Gymnasiums Erfurt (Thüringen) und des Pelizaeus-Gymnasiums Paderborn (Nordrhein-Westfalen) hielten die die Mädchen aus Bayern zwar ordentlich mit, konnten sich jedoch nicht entscheidend durchsetzen, was aber der guten Stimmung nach dem letzten gespielten Ball keinen Abbruch tat.

Geschafft: Sie gehören zu den Top Ten in Deutschland!
Innerhalb weniger Sekunden schien der Druck von den Spielerinnen abzufallen und die Tatsache wieder in den Vordergrund zu rücken, dass man als bayerischer Meister mit den besten Schulmannschaften aus allen anderen Bundesländern in der Hauptstadt Berlin um den deutschen Titel kämpfen durfte. Ausgelassen feierten sie mit ihren Fans. Der erreichte achte Rang erschien gleich noch wertvoller, da ja die vorderen Tabellenplätze fast ausschließlich von Schul- und Leistungssportzentren sowie von speziellen Sportgymnasien eingenommen wurden. „In kaum einem Bundesfinale tummeln sich so viele Nationalspieler und -spielerinnen wie beim Volleyball“, schrieb in diesem Zusammenhang das offizielle Turniermagazin zu einem Wettkampf, in dem die Maristen ein „normales Gymnasium“ (Turnierjargon) vertraten.

Natürlich stand auch das Brandenburger Tor auf dem Besichtigungsprogramm.
Der kommende Tag gehörte hauptsächlich der Stadt Berlin. Nach einer Spreerundfahrt bei strahlendem Sonnenschein besuchte man das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals, auch der Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, das Reichstagsgebäude, der Kurfürstendamm und nicht zuletzt das Hardrock Cafe standen auf dem Programm.
Den spielfreien Tag genießen: Fürstenzeller Mannschaft im Sony Center
Am Abend dann als letzter Höhepunkt die Siegerehrung und Abschlussveranstaltung im Rahmen einer großartigen Gala in der Max-Schmeling-Halle.
Umrahmt von musikalischen und artistischen Einlagen und garniert durch einen beachtlichen Auftrieb von Prominenz aus Sport und Politik, wurden die jeweils besten drei Mannschaften in den Disziplinen Turnen, Tischtennis, Basketball, Handball und Volleyball geehrt, und als dann auch der Schriftzug „Maristengymnasium Fürstenzell“ auf der riesigen Leinwand erschien, war das schon ein emotionaler Moment. Über die anschließende Disco-Party für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Bundesfinale liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die Betreuer (mussten zum Empfang des Landes Berlin) und auch die mitgereisten Eltern (mussten das Gelände verlassen) hatten keinen Zutritt.
Am frühen Vormittag des folgenden Samstags machte sich eine etwas müde wirkende, aber doch glückliche Schar auf den Heimweg. Mit vielen tollen Erinnerungen im Gepäck fuhr man zurück nach Niederbayern – und in die Pfingstferien.

Blick nach oben im Sony Center
Grund zur Freude auch auch für unsere Volleyballabteilung
fcf-volley.org gratuliert allen Beteiligten zu diesem großen sportlichen Erfolg. Besonderen Anlass zur Freude gibt uns dabei natürlich der Umstand, dass ausnahmslos alle Mädchen für unsere Abteilung spielen. Petra Baumgartner, die die Auswahl der Maristen ehrenamtlich auf das Turnier vorbereitete und in Berlin betreute, konnte dabei auf ein eingespieltes Team zurückgreifen, das sie in den vergangenen Jahren in ihrer Eigenschaft als Übungsleiterin des FC Fürstenzell trainiert hat.



