Maristen-Mädchen als bayerischer Meister nach Berlin

Passauer Neue Presse vom Donnerstag, den 27. März 2008

14/15-jährige Schul-Volleyballerinnen schlagen das Johann-Schöner-Gymnasium Karlstadt und stehen damit im Bundesfinale

Von Xaver Rohrmeier

"Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin!" Für die Volleyballerinnen des Maristengymnasiums Fürstenzell ist innerhalb weniger Wochen dieser Traum vom Finale in Erfüllung gegangen: Nach dem Gewinn des südbayerischen Titels trafen die Mädchen in Starnberg auf das Team des Johann-Schöner-Gymnasiums aus dem fränkischen Karlstadt. In einem dramatischen Spiel bezwangen sie den Nordbayern-Champion und sicherten sich damit den Titel "Bayerischer Meister der Wettkampfklasse III". Jetzt dürfen die 14/15-Jährigen ihre Schule und das Land Bayern in Berlin beim Bundesfinale gegen die Sieger aus den anderen Bundesländern vertreten.

Wenn ein Schwarm Mädchen sich abwechselnd kreischend und mit rollenden Augen in den Armen liegt, dann ist es wohl nicht abwegig zu vermuten, dass ihnen gerade Mädchenschwarm Bill Kaulitz und "Tokio Hotel" begegnet sind. Doch in diesem speziellen Fall war es keine aufgebrezelte Teenie-Band, die eine kollektive Verzückung auslöste, sondern ein Ball, der dort landete, wo es nicht vorgesehen war: nämlich knapp im Aus.

Dieser Ball war von einer Spielerin aus dem fränkischen Karlstadt gespielt worden, die mit ihrer Mannschaft gegen die Mädchen des Maristengymnasiums Fürstenzell um die bayerische Meisterschaft im Volleyball (Wettkampfklasse III) kämpfte. Das Team der Maristen hatte sich mit dem Gewinn der "Niederbayerischen" in Bogen und dem Erfolg bei der "Südbayerischen" in München für dieses Endspiel gegen den Nordbayern-Meister qualifiziert.
Und so machte es sich zusammen mit Sportlehrerin Margit Staudinger, Trainerin Petra Baumgartner (FC Fürstenzell) und einigen Müttern und Vätern auf in Richtung Starnberg, wo das große Endspiel stattfinden sollte. Es wurde, darin waren sich hinterher alle einig, ein Herzschlagfinale.

Nach der langen Anreise musste zunächst eine nervtötende Wartezeit überbrückt werden, bis die beiden Mannschaften endlich das Spielfeld betraten. Trotz einer guten Leistung der Maristen-Mädchen schien sich eine Niederlage anzubahnen, so überlegen zeigten sich die Spielerinnen aus Franken in Angriff und Abwehr. Der erste Satz ging trotz heftiger Gegenwehr der Fürstenzellerinnen mit 25:17 recht deutlich an die Mannschaft aus Karlstadt.
Es hatte den Anschein, als würden die Franken diesen Satzgewinn als Selbstverständlichkeit verbuchen, so wie sie sich schon während der Ballwechsel recht emotionslos gezeigt hatten. Und vielleicht war es auch so ein Gefühl der Überlegenheit, das den Fürstenzell Mädchen dabei half, das Spiel im zweiten Satz zu drehen. Mit einer konzentrierten Leistung konnten sie Karlstadt in die Defensive zwingen, die Abwehr am Netz sowie im Feld arbeitete sehr effektiv und dem präzisen und druckvollen Angriffsspiel standen die Mädchen aus Franken zunehmend ratlos gegenüber. Das Ergebnis war ein aus Fürstenzeller Sicht fast perfekter Satz, der mit 25:14 gewonnen wurde und Hoffnung für den entscheidenden Tiebreak machte.

Schlimmer hätte dieser nicht beginnen können! Schon nach wenigen Ballwechseln sah man sich einem deprimierenden 1:5 Rückstand gegenüber. Doch gerade an diesem Tiefpunkt zeigte sich erneut der Charakter des Teams aus Fürstenzell. Angefeuert von ihrer Sportlehrerin und den mitgereisten Eltern und gleichzeitig gefestigt durch das ruhige Coaching von Petra Baumgartner, wuchs man über sich hinaus und kämpfte sich wieder heran, bis dann das Satzende die Spannung ins Unerträgliche steigerte. Gleich drei Matchbälle mussten die Mädchen aus Fürstenzell abwehren, ehe das Spielgerät, geschlagen von einer fränkischen Spielerin nach einem endlos scheinenden letzten Ballwechsel, die entscheidenden Zentimeter hinter der Linie landete. Was folgte, war der eingangs beschriebene Jubel. Als später die Mädchen bei der Siegerehrung mit Goldmedaillen ausgezeichnet und mit Sieger-Pullovern beschenkt in der Halle standen, wurde ihnen erst allmählich richtig bewusst, dass sie sich neben der bayerischen Meisterschaft einen weiteren Traum erfüllt hatten: Anfang Mai reisen die Fürstenzellerinnen für eine Woche nach Berlin, um dort bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft gegen die Sieger aus den anderen Bundesländern zu spielen.

Die Rückfahrt traten die Fürstenzellerinnen - wie die Hinfahrt auch - zusammen mit den Mädchen aus Grafenau an, die in ihrer Altersklasse ebenfalls die Meisterschaft erringen konnten. Entsprechend ausgelassen war freilich die Stimmung im Reisebus.

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